Veganismus – Tausche Fleisch gegen Kartoffel!

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„Mir unbegreiflich warum manche lieber Tabletten fressen, anstatt Fleisch zu essen.“
Diese Aussage stammt von einem Kärntner Arzt, der offensichtlich ein gewaltiges Problem mit Menschen hat, die sich rein pflanzlich ernähren. Damit ist er übrigens nicht alleine, denn gefühlte 90% der heimischen Bevölkerung scheinen Veganer zu verteufeln und Vegetarier als leidbares Übel zu erachten, zumindest hier bei uns – in den recht ländlichen Gefilden.

Funny fact: Sogar mein Word, also das Office Paket in welchem ich meine Texte tippe, weigert sich diese Art der Ernährung  anzuerkennen und behauptet felsenfest vegan wäre kein Wort und schlägt mir Alternativen vor!

Oft unterhalten sich Menschen in meiner Gegenwart über Veganer, die Feinde der traditionellen österreichischen Essenskultur, als wäre es eine Geschlechtskrankheit, die man sich unmöglich freiwillig einfangen wollen würde.

Erst vor kurzem war ich beim Friseur und zwei ältere Damen sinnierten neben mir – von Trockenhaube zu Trockenhaube – über die Körnerfresser, ohne Sorge zu tragen das jemand sie hören könnte. Vermutlich entspreche ich nicht dem Bild in ihrem Kopf, trage keine Hippiekleidung und wuchernde Körperbehaarung zur Schau und verströme kein Odor aus Schweiß und Patschuli. Birkenstock Latschen findet man zwar schon an meinen Füßen, aber die sind im Moment ja auch modern, so dass man damit locker unter dem Radar fliegen kann.

Am liebsten hätte ich noch meinen Opa in diese illustre Runde gepackt und der humoristische Wert der Unterhaltung wäre perfekt gewesen. Man stelle sich also diesen Mitachziger vor, der hier seinen Lieblingssatz zum besten gibt: „In Wean, in der Großstadt, dort wo sie jedem Spleen aus Amerika nachrennen, gibt’s diese Wegana natürlich schon, sollen sie die ruhig dort behalten!“ Das Nomen Veganer kann man getrost mit Rauschgiftsüchtigen, Bordsteinschwalben oder Penner ersetzen und es wäre in seinen Augen immer noch passend.

Bei einer Sache hatte er aber recht: Ich wohnte selber 11 Jahre in Wien – als Fleischesser, Wurstliebhaber, bekennender Speck- Fetischist und Gelegenheits- Käsleberkäs‘ Junkie, ehe ich mit meiner Familie aufs Land verzog, in die Hochburg der Karnivore, der Wirtshäuser und des gediegenem Ripperl- Essens. Man muss keine Leuchte sein um zu erkennen das ich es mit dem Timing verkackt habe!

Seit einem halben Jahr ernähren sich Mr. K und ich rein pflanzlich.
Unsere Kinder übrigens nicht, soviel gleich vorweg, weil das ja das Aufreger Thema Nummer 1 ist. (Gemüse? Ich bin raus)
Unser Nachwuchs darf essen wonach auch immer es sie verlangt, mit einer Ausnahme – Milch!
Letztere vor allem weil sie sie nicht vertragen und davon Durchfall bekommen.
Wir trinken stattdessen Hafermilch und so unsexy sich das auch anhören mag, wir sind sehr glücklich damit und sie schmeckt uns echt gut. Ja, auch im Kaffee! Wirklich!

Mir ist wichtig dass die Kinder möglich gesund und ausgewogen essen, wenn sie dazwischen Schnitzel oder Pizza wollen, dann soll mich das nicht stören. Es ist wie mit der Religion, wenn sie alt genug sind sollen sie selbst entscheiden ob und welchem Gott sie folgen wollen, heißt im Klartext, ob sie das geräucherte Tofu Würstchen anbeten oder die Heilige Milchkuh verehren ist mir ziemlich wurscht.

Aber wieso vegan? Was war der Auslöser?
Weihnachten verbringt die Casa K gewöhnlich damit Familie und Verwandtschaft abzuklappern und da wir verheiratet sind, alles in doppelter Ausführung. Und wie immer wurden wir überhäuft mit deftigem Essen, Tonnen an Schweinsbraten, Keksen und literweise Alkohol. Nach diesem Festmästen Festessen fühlten Mr. K und ich uns gar nicht wohl – um ehrlich zu sein sogar im höchsten Maße unwohl in unserer Haut.
Echt jetzt, ich hatte das Gefühl als würden meine überforderten Poren Selchgeruch ausdünsten. Dieses Unbehagen verschwand auch nicht, weshalb wir am Heimweg von all diesen Völlereien beschlossen, es einfach mal ein paar Wochen vegan zu versuchen und Achtung Spoiler: Wir sind dabei geblieben!

Seither fühle ich mich fitter, das ständige Völlegefühl nach den Mahlzeiten ist weg, ich sehe gesunder und frischer aus und meine Ausdünstungen riechen wieder nach Schweiß und nicht mehr nach Knoblauch- Selchwurst. ( Vorteil!?)
Aber der größte Vorteil war, dass meine Angst vor Krebs verschwunden ist; ich habe plötzlich das Gefühl für mein Leben und meine Gesundheit selbst in der Hand zu haben – der beste Ansatz für bekennende Hypochonder.

Ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte Mr. K und ich sind ziemlich gute Veganer, wir hängen es nicht an die große Glocke, wir sprechen lediglich von „pflanzenbasierter Ernährung“ und versuchen niemand zu bekehren.
Vegan sein bedeutet nämlich für viele unserer Mitmenschen in Deckung gehen vor einer Moral Keule, die ihm/ihr über das Haupt gezogen wird. Vielleicht auch zu recht, ich mag die Leute/Aktivisten auch nicht die am Westbahnhof stehen und mit blutigen Schweinehälften wedeln.

Mir ist egal wie oder was die anderen essen, nicht egal ist mir allerdings welche Lebensmittel ich in meinen Körper stecke und welche Wirkung sie dort entfalten. Ich glaube nämlich fest an die Selbstheilungskräfte die in uns allen schlummern und die man mit der richtigen Nahrung positiv unterstützen kann.

Leben und leben lassen ist Programm! Natürlich würde ich mir wünschen, dass Menschen bewusster reflektieren was sie essen, aber ich würde mir auch wünschen das Leute nicht mehr rauchen, ohne ihnen bei jedem Lungenzug eine Predigt über die Schäden ihres Nikotin- Missbrauchs zu halten.
Mr. K hat dazu übrigens seine ganz eigene Meinung: „Gut das Bier vegan ist, sonst wäre ich raus.“ Wir sind halt auch nur Menschen.

Was haltet ihr vom veganen Lebensstil? Furchtbar? Geht gar nicht? Oder vielleicht doch nicht so schlecht?

Ich bin gespannt auf eure Meinung!

Alles Liebe

Ela

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