Luisa Braun

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Hallo mein Name ist Luisa Braun und ich bin eine Couch – eine recht in die Jahre gekommene Couch, aber alles der Reihe nach.

Gekauft wurde ich vor einigen Jahren in Wien in einer Mömax Filiale, ich freute mich eigentlich ziemlich, als dieses vielversprechende junge Pärchen des Weges kam, mich einige Male umrundete und dann ihre Hintern auf mir parkten. Was soll ich sagen, wir hatten gleich einen Draht zueinander und ich konnte mein Glück nicht fassen, als mich die zwei eine Woche später abholen kamen.
Sie brachten mich in eine alte, wenig einladende Wohnung und gaben mir gleich eine tragende Rolle, nämlich dieses miese Wohnzimmer optisch aufzuwerten – und das tat ich, glaubt mir, das tat sich!

An dieser Stelle hätte das Märchen enden sollen, ihr wisst schon – und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende, tja, doch es kam alles anders, denn dieses reizende Paar hegte einen Kinderwunsch und das war der Anfang vom Ende!

Neun Monate später präsentierten sie mir diesen winzigen Säugling der von nun an auf meiner schönsten Kuschelseite seine Schläfchen hielt. Versteht mich nicht falsch, niedlich war dieses Würmchen schon, aber Leute, ihr könnt euch nicht vorstellen wie viel Dreck so ein Baby macht und nennt mich eitel, aber keine Sau interessierte sich mehr für mich, sondern nur noch für diesen kleinen Winzling der da auf mir thronte!

Binnen kürzester Zeit war ich von der Luxuscouch zum Babyklo degradiert geworden, ich kann euch gar nicht sagen wie oft ich angepinkelt wurde (oder schlimmeres) oder sich jemand bei seinem Bäuerchen auf mich übergeben hat. Vorbei war es mit meinem neuwertigen Duft, verdrängt vom säuerlichen Mief halbverdauter Milch und glaubt mir, nichts müffelt wie Babykotze!

Dann kam der Tag des Umzugs und wir zogen von Wien fort, damit das Baby die Vorzüge des Landlebens kennenlernen konnte und wiedermal dachte niemand an meine Gefühle. In der alten Wohnung war ich der Star inmitten des alten Unrats, doch hier, zwischen all den neuen Möbeln wurde  ich das alte, ranzig riechende Teil, das nicht zum Rest passte und das schmerzte tierisch!

Was? Ihr denkt das ist schlimm? Na dann wartet mal ab, das Schlimmste kommt noch!

Endlich wurde das Baby größer und ich immer seltener vollgekackt, stattdessen kamen neue Flecken hinzu, Ketchup zum Beispiel, oder Schokolade, oder unliebsames, halb gekautes Gemüse, dass in meine Ritzen geschoben wurde, doch wir Sofa sind geduldig – man könnte meinen wir sitzen die Probleme aus – denn irgendwann wird jedes Kind älter und klüger und wir können weitermachen wie bisher. Dachte ich, doch plötzlich gab es erneut Kugelbauch Alarm und das Paar erwartete sein zweites Kind.

Und jetzt kommt der Hammer: dieses Kind hatte es so eilig in diese Welt zu starten, dass es AUF MIR geboren wurde – ich wurde zur Liege umfunktioniert und meine Auszieh- Matratze, das einzig saubere an mir, wurde zum Auffangbecken eines Neugeborenen.
Juhu, nun konnte ich endlich die letzten Substanzen abhaken, die in meiner Liste des Grauens noch fehlten:
Fruchtwasser, Blut und Käseschmiere!  (Sarkasmus Ende)

Mittlerweile  habe ich die Hoffnung auf bessere Tage aufgegeben – vom Alter gezeichnet, bin ich  zum Indoor Spielplatz und zur Kinderbuch Ablage verkommen, ständig werden meine Polster von kleinen Händen wüst runter gerissen, so dass Nähte und Reißverschlüsse platzen und meine Füllung nach außen quillt, außerdem habe ich so viele getrocknete Wasserflecken, dass es aussieht als wäre ich gemustert und nicht unifarben produziert worden.
Ja ich quietsche und ächze, man bezeichnet mich als durchgesessen und bemängelt das man jede meiner Federn spüren kann – als wäre das meine Schuld!

Aber eines noch, ich wollte eigentlich nicht davon anfangen, aber ich hab ein Gespräch belauscht, von dem einst so reizenden Pärchen – Gott ich erkenne sie nicht wieder!
Sie redeten darüber sich ein neues Sofa zu besorgen, die Kinder wären nun aus dem größten raus, meinten sie und nun könnten sie sich endlich mal ein Neues gönnen, immerhin sei das Alte (ich) schon ziemlich grauslich, so das keiner mehr wirklich darauf sitzen wollen würde.
 Ich.bin.so.verletzt!
Überall quillt mein Innenleben nach draußen, aber dieser Schmerz geht tiefer! Nicht mal verschenken könnte man das Teil noch – höre ich sie flüstern – sogar dafür wär es schon zu lädiert.

Wofür soll ich noch kämpfen? Ich habe aufgegeben, vielleicht ende ich auf dem Sperrmüll als Schlafmöglichkeit streunender Katzen.
Aber wer weiß, vielleicht werde ich eingestampft und recycelt und finde mich neu und wunderschön wiedergeboren im ethnisch korrekten, nachhaltigen Entwurf eines skandinavischen Designers wieder – man wird ja wohl noch träumen dürfen!
Doch bis dahin war es das also, dass tragische Ende der Luisa Braun!

RIP

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