Übersättigt – Warum zu viel plötzlich ganz wenig ist

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Less is the new more!
Ich ziehe in die Schlacht und zwar gegen Christkinder, Nikoläuse, Osterhasen, Zeugnisfeen und Geburtstagsengerl, auch bekannt als Omas, Opas, Taufpaten und Ur- Großeltern, die allesamt meine Kleinen mit Geschenken überhäufen.

Versteht mich nicht falsch, es ist toll dass meine Kinder so geliebt werden und man sie verwöhnt und umsorgt, aber dieser Konsum Wahnsinn geht zu weit!

Jedes Jahr an Weihnachten stapeln sich Türme von Packerln und dazwischen heillos überforderte Kinder, die gar nicht mehr realisieren was sie da eigentlich aus Geschenkpapier auswickeln. Erst Wochen später entsinnen sich die Kids was sie alles bekommen haben, ehe das Spiel von vorne los geht, weil Ostern in den Startlöchern steht.

Wenn Ende September die ersten Vorboten des Weihnachtsgeschäfts in den Läden auftauchen und überall rot folierte Schoko- Nikoläuse locken, werde ich von diversen Verwandten dezent erinnert, mir schön langsam Gedanken zu machen was die Zwerge brauchen könnten.

Tja Überraschung! Sie brauchen nix, haben alles, in doppelt und dreifach Ausführung sogar, aber das Argument funktioniert nicht, denn es sind Kinder, sie müssen gefälligst etwas wollen!

Offensichtich erweckt es den Eindruck, als würde die knausrige Mama den Kiddos den Spaß vermiesen wollen, weshalb sicherheitshalber die Kleinen ebenfalls befragt werden.

„Lili was wünscht du dir denn?“ Kind denkt nach, aber ihr fällt nichts ein. Wie schön, wunschlos glücklich, sag ich doch!
„Ähm… eine Schaufel vielleicht?“ Gestern hat Lili ihre nämlich im Sandkasten verbuddelt und seither nicht mehr gefunden.
„Ähm… aha!? Willst du nicht lieber eine Puppe? Eine die Pippi machen und weinen kann vielleicht? Oder eine Barbie?“
NEIN!!! Bitte keine Puppe mehr und vor allem nicht die 10. Barbie! Wir sind voll! Unser Kontingent ist erschöpft und wir verkraften hier nicht noch eine langbeinige, wespentaillierte, vollbusige Realitäts- Verzerrerin.

Gestört hat mich dieses Übermaß schon immer, aber im letzten Advent passierte etwas, dass mir die Augen öffnete und mich bestärkte, von passiver Resignation in den Kampfmodus zu switchen und diesem Geschenke- Irrsinn den Kampf anzusagen.

Vor einem Jahr, als Lili Ende Drei war, nahmen wir erstmals an der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ teil. (Wer genauer wissen will was das ist, hier der Link)
Ich ließ sie selbst aussuchen was wir einem uns unbekannten Mädchen schenken sollten und war verblüfft, wie liebevoll sie sich durch Krimskrams wühlte und Klumpert von „wertvollem“ Kleinod trennte.

Die Box enthielt „Hello Kitty“ Handschuhe und eine passende Haube, einen bedruckten Elsa Radiergummi, ein glitzernder Puschel- Bleistift, einen Malblock, bunte Haarspangen und außerdem eine Blech- Dose voll bedruckter Pflaster. Nicht fehlen durften außerdem Süßigkeiten, Einhorn Shampoo und Duschgel und sprudelnde Badebomben.
Meine Tochter blickte sehnsüchtig in den Schuhkarton und murmelte: „So etwas Tolles möchte ich auch einmal bekommen!“

Mir stiegen die Tränen in die Augen, als ich realisierte wie arm meine Kinder waren.

Wir als Eltern haben die Aufgabe unserem Nachwuchs Raum zur Freude zu schaffen und sie vor Überforderung zu schützen und doch hatten wir Weihnachten (und jedes andere Fest) zu einem Konsumrausch verkommen lassen; dabei hätte bereits eine kleine Schachtel genügt um Kinderherzen höher schlagen zu lassen.

Wir haben alle viel zu viel!
Seitdem reduziere ich stückchenweise unser Zeug; Dinge die monatelang nicht beachtet werden wandern zuerst in den Keller und verschwinden dann ganz. Noch nie kam ein Kind und erkundigte sich nach dem ausrangierten Klump. Wir brauchen es einfach nicht.

Mein Bruder meinte unlängst, das Kostbarste das er uns schenken könne sei Zeit und so banal es klingt, er hat Recht! Nach einigen Jahren werden sich die Kinder wohl nicht mehr an den sündhaft teuren Playmobil Ponyhof aus dem Jahr XXXX erinnern, sehr wohl aber an einen gemeinsamen Ausflug und den Spaß, den sie dabei hatten!

Das Kostbarste das man Kindern schenken kann, sind wundervolle Erinnerungen!
Mit diesem Gedanken im Hinterkopf wird ab nun alles. Versprochen!

Kennt ihr das auch, wenn man Verwandte ständig bremsen muss, weil sonst alles ausufern würde? Wie geht ihr damit um?

Alles Liebe

Eure Ela

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