H.O.L.Y S.H.I.T

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Vorab warne ich alle kinderlosen Menschen, welche diesen Blogpost lesen, dass Unbehagen ob detailreicher Beschreibungen diskreter privater Verdauungsprozesse vorprogrammiert sein könnte.
Liebe Eltern, lest unbesorgt weiter, es folgt nichts das ihr nicht ohnehin kennen würdet…

Ich habe mich unlängst mit einer Bekannten unterhalten deren Kind eine recht ausgeprägte „anale Phase“ durchlebte – soll heißen Form, Farbe und Konsistenz des Stuhls waren lange Zeit ein beliebtes Thema der kindlichen Konversation. Sie erzählte mir sogar von einem Extremfall wo die Exkremente eines Kindes im Garten hinter dem Haus bestattet werden mussten, weil es dem Produzenten so schwer fiel loszulassen.
Ich muss gestehen das ich recht erstaunt über diese“ Hingabe“ war, weil ich dieses ausgeprägte Interesse von meinen eigenen Kindern nicht kannte. Mittlerweile weiß ich aber auch warum, wir besitzen eine „Toilette ohne Zwischen- Etage“, bei der die Kleinen gar nicht erst in den Genuss kommen ihre Kreationen zu bewundern.

Aber die Stuhl Problematik kommt auf vielen Wegen daher:
Unsere Kleine litt vor einigen Monaten an Verstopfung, tagelang warteten mein Mann und ich mit überkreuzten Fingern ab und lauschten verdächtigen Pressgeräuschen und explosionsartigen Windstößen, nur um dann wieder mit langen Gesichtern in eine weitere leere Windel zu starren. Nach einer ungewöhnlich langen „Durststrecke“ und einer erfolglosen Radikalkur aus Zwetschgensaft und Trockenobst begannen Mr. K und ich uns Sorgen zu machen. Ok, nur ich machte mir Sorgen, mein Mann tendierte zu Kinderkaffee, spannendem Bilderbuch und Klopause, aber da ich diesbezüglich der vernünftige Part unserer Elternschaft bin, schnappte ich das Mädel und dackelte zur Kinderärztin.

Die war selbst zweifache Mutter und sagte nur lakonisch: „Völlig normal in diesem Alter, die Kleinen lernen ihren Darm zu kontrollieren und genießen die Macht über den eigenen Körper.
Holy shit… während die Frau Doktor mir recht plastisch erklärte was es mit der Stuhlgang- Verweigerung auf sich hatte und mir Tipps gab um diesen Winzling „zum ausscheiden“ zu bewegen, fragte ich mich ernsthaft wie ich in diese Situation gekommen war.

Vor einigen Jahren, als ich noch als Single in Wien wohnte und mit Kids eigentlich recht wenig am Hut hatte, ergab es sich, dass neben mir ein Auto mit quietschenden Reifen anhielt, ein Mann aus dem Wagen hechtete, die Tür zur Rückbank aufriss, ein Kleinkind raus zerrte, in Windeseile die Hose runterzog und es mit nacktem Po über einem Kanalgitter platzierte, damit es hinein pinkeln konnte.

Damals war ich schwer geschockt und fassungslos, dass diesem Kerl das Ganze überhaupt nicht peinlich gewesen war, während ich vor lauter Fremdschämen rote Ohren bekam. Heute weiß ich es besser, mein Mann und ich würden uns ein euphorisches High Five verpassen, wenn wir es geschafft hätten, in einem Kampf gegen die Zeit das drohende Ungemach abzuwenden und das Brechen der Dämme ohne größere Schäden zu überstehen.

Aber da haben wir wieder einmal den Beweis: Eltern sind eben anders und jeden Schamgefühls beraubt; ich könnte mich heute noch vor Lachen wegschmeißen, wenn ich daran denke wie meine Große durch das Restaurant brüllte: „Omaaaaaa, hast du Lulu oder Gaxi gemacht?“ Das versteinerte Gesicht meiner Mutter, das langsam von Röte geflutet wurde, werde ich jedenfalls mein ganzes Leben lang nicht vergessen!

Ich selbst verstöre Menschen immer wieder, weil ich in aller Öffentlichkeit meine Kinder frage: „Musst du aufs Klo? Gemma lulu?“
Dieser Satz kommt in etlichen Abhandlungen daher und wird so gut wie immer verneint, aber erfahrungsgemäß ist folgende Reaktion die beste:
„Geh trotzdem!“ Denn in 7 von 10 Fällen erklingt kurze Zeit später wasserfallartiges, minutenlanges Geplätscher und bestätigt, dass nicht müssen und nicht wollen eben doch nicht das gleiche ist.

In den restlichen 3 von 10 Fällen verkneift der Verweigerer es sich nur so lange bis die Situation richtig beschissen ist, zum Beispiel an der Supermarkt Kasse, wenn man schon das ganze Klump auf das Förderband gepackt hat und ein Haufen ungeduldiger Menschen hinter einem steht, während eine Hand am Rockzipfel nestelt und ein leises Pieps- Stimmchen flüstert: „Mama ich muss lulu. Jetzt!“

Ich finde ja, man sollte solche Entwicklungsphasen mit Humor nehmen, immerhin gehen sie auch wieder vorüber, bieten aber reichlich Stoff für Anekdoten!
Wie seht ihr das Ganze? Überbewertet, völlig easy peasy oder doch ein totales NO-GO?  Ich bin gespannt auf eure Meinung!

Liebe Grüße

Eure Ela

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