Gemüse? Ich bin raus…

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Der tägliche Wahnnsinn mit einem Essensverweigerer!

Kennt ihr diese Situation wenn ihr eurer Kind mit aller Kraft davon abhalten müsst noch mehr Gemüse in sich hineinzustopfen, während ihr doch so eindringlich mit dem Pudding wedelt… Haha! ICH AUCH NICHT.
Ich fürchte meine Große würde eher vor ihrem Teller verhungern, als freiwillig eine Erbse auch nur anzufassen, geschweige denn zu essen. Und sollte sie das Ding (utopischerweise) doch kosten, würde sie diese binnen kürzester Zeit wieder hoch würgen und für immer dieses elendige Teufelszeug verdammen.

Nun könnte man einwenden, das eine Erbse definitiv nicht das richtige Grünzeug ist, um ein Kind in Verzückung zu versetzen, aber ihr könnt diese Parabel mit nahezu jedem Obst/ Gemüse/ Ballaststoff ersetzen und das Ergebnis ist das gleiche.

Also was ist los mit meinem Kind? Wieso isst es nicht?

Gleich vorweg, Didi, unsere Kleine ist nicht das Problem, sie ist ein Musterbeispiel für kindliche Ernährung, knabbert ständig an einer Zucchini, Karotte oder Gurke, liebt Vollkorn Nudeln und braunen Reis, mag frischen Salat und scheut nicht davor zurück Neues auszuprobieren.

Lili hingegen hasst Gesundes und würde sich am liebsten von Käsestangerl, Schnitzel, Frankfurter, Toast und Fruchtzwergen ernähren.
Aber es wird ja noch viel komplizierter, Saucen gehen nämlich gar nicht, das schließt auch Tomatensauce, Käsesauce oder Carbonara mit ein und sogar Kartoffeln/Pommes stehen auf der Blacklist. Aber auch Käse, selbstgemachtes Wassereis, Beeren oder braune Lebensmittel fallen unter die verbotenen Substanzen und natürlich alle jene Dinge, die „normale“ Kinder auch nicht mögen, wie Rosinen oder Spinat – es ist wirklich zum Haare raufen!
Außerdem darf nicht ein Hauch von Grün zu sehen sein, Kräuter sind ein No-Go, ebenso wie Klümpchen, denn dabei könnte es sich um ein getarntes Gemüsestückchen handeln und das würde Lili postwendend zum Erbrechen bringen. Kein Scherz, sie kann sich so sehr in diesen Ekel hineinsteigern, dass tatsächlich wieder alles hoch wandern würde.

Was sich liest wie die Sonderwünsche eines Hollywood Stars sind lediglich die Anforderungen einer Vierjährigen an ihre Mutter; übrigens waren dies längst nicht alle Einschränkungen, aber es würde eindeutig den Rahmen sprengen sie in ihrer Vollständigkeit hier aufzulisten.

Mit diesem Nahrungs- Boykott meint Lili es übrigens sehr ernst, sogar in den Freundebüchern – die man sich im Kindergarten ständig zusteckt – muss unter dem Punkt „das mag ich nicht“ folgendes notiert werden: „streiten, Obst und Gemüse!“

Ja ich weiß, hier besteht dringend Handlungsbedarf! Aber bevor ich nun verteufelt werde, mit der Gesundheit meines Kindes Schindluder zu treiben, möchte ich unterstreichen, das ich wirklich mein Möglichstes versuche ihr das Essen schmackhaft zu machen.
In Form von Karotten- Spinat- oder Zucchinikuchen etwa,  mit selbstgemachtem „Ketchup“ oder Gemüsesuppen aller Art, letztere kochen wir übrigens nach Farben. Wird von Lili „pink“ auserkoren, koche ich heimlich eine rote Rübensuppe, verpasse dem Ganzen einen niedlichen Namen und mit viel Glück und einer Handvoll Backerbsen isst sie ein paar Bissen.

Dieses verkorkste Essverhalten hat sie übrigens von Mr K geerbt, dessen eigene Mutter ihn folgendermaßen beschreibt: „Als er klein war aß er gar nichts, wir wussten oft nicht wovon er überhaupt lebte. Und wenn er mal was aß, dann nur Toastbrot mit Ketchup.“
Ja Ketchup! Zuckerbrot mit Zuckeraufstrich!
Eigentlich (k)ein Wunder das derselbe Mensch heute vegan lebt und sich an Gemüse und Salat gar nicht satt essen kann, oder!?

Aber zurück zu Lili. Dieses Kind treibt mich mit seinem Essverhalten bzw. seiner Essensverweigerung oftmals in den Wahnsinn. Ich versuche ihr wirklich keinen Druck zu machen, zwingen tun wir sie ohnehin nicht und auch das böse Wort „gesund“ ist aus unserem Wortschatz gestrichen, aber manchmal, wenn sie sich ein spezielles Gericht kochen lässt, nur um dann die Zungenspitze damit zu benetzen und es mit angewiderter Geste wegzuschieben, dann muss ich mich schon redlich um Gelassenheit bemühen.

Vor einiger Zeit las ich dazu ein Interview mit einer Ernährungspsychologin, die aus dem Nähkästchen plauderte und erklärte wie sie bei ihrer eigenen Familie das gemeinsame Essen handhabte. Ihr Leitsatz: „Alle müssen probieren, nach dem Kosten darf jeder entscheiden ob oder was er/sie will.“
Mir gefiel dieser Ansatz und so wurde dieses Konzept nach anfänglichem Protest bei uns ebenfalls eingeführt, in moderater Version wohlgemerkt, denn wenn ich z.B. Moussaka oder Ratatouille servieren würde, könnte ich mich auf den Kopf stellen und sie würde es dennoch nicht versuchen, denn Nahrung darf nicht „matschig“ aussehen.
Fazit nach ein paar Monaten – es funktioniert (noch) nicht!

Aber das eigentliche Problem ist, dass Lili gar nicht will dass es ihr schmeckt. Sie liebt zum Beispiel die Tomatensauce auf der Pizza, wenn dieselbe aber Nudeln umgibt, dann wirkt sie bereits zu gesund und wird als Prinzip abgelehnt.
Dasselbe gilt übrigens für viele Dinge, von denen ich weiß, dass sie ihr eigentlich schmecken würden, wären da nicht diese verdammten Vorurteile.

Ich erinnere mich an folgende bezeichnende Situation: Lili war etwa 12 Monate alt und ich hatte für sie Kürbiscreme Suppe gemacht, die sie natürlich nicht kosten wollte.
Zornig donnerte sie mit der flachen Hand auf die Schüssel, die im Comic Stil durch die Luft rotierte, ehe sich mit einem ordentlichen Klatscher alles auf mir verteilte. Dabei flog ein einzelner Tropfen durch die Luft und landete (ohne Scheiß) in ihrem Mund!
Lili schmatzte ein paar Mal prüfend, befand Geschmack und Konsistenz für recht annehmbar und aß eine ganze Schüssel leer; ohne Showeinlage keine Chance!

Ehrlich gesagt sehe ich für die nähere Zukunft auch nicht viele Chancen auf Besserung, aber mein Trost ist, dass Mr K – einst selbst bekennender Essensverweigerer – mit seinem damaligen Ich heute recht wenig gemein hat, man darf also noch hoffen…

Wie sieht es bei euch aus? Kennt ihr auch solche kleinen Essensverweigerer? Oder habt ihr einen Tipp für mich? Ich bin gespannt von euch zu hören.

Alles Liebe
Ela

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