Autofahren mit Kindern

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Wie die Fahrt garantiert zum Höllentripp wird!

Es ist heiß, sauheiß sogar und bei meinen Eltern lockt ein erfrischender Pool, das Problem ist allerdings das uns circa 30 Autominuten von diesem Paradies trennen.
Vorbei sind die Zeiten wo die Kleinen zeitgleich mit dem Starten des Motors in einen komatösen Schlaf fallen und friedlich vor sich hin schlummern. Jetzt bedeutet Autofahren „Narrenfreiheit“ auf der Rückbank und ein Seiltanz auf meinen Nerven.
Kurz nachdem wir aus der Einfahrt gebogen sind und etwa 200 Meter hinter uns gebracht haben, geht der Wahnsinn auch schon los:
„Mama, mir ist heiß! Wann sind wir da? Ich habe Durst! Hier stinkt’s nach Kuhpups! Schokolaaaaade, bitte! Die Sonne blendet! S-T-O-P! Wir haben die Zeichnung für den Opa vergessen. Mamaaaa, meine Unterhose zwickt…

Müsste ich für die Autofahrt mit meinen Kids eine Playlist erstellen, wäre „road to hell“ mein erster Pick, aber die Halbstarken haben längst das Kommando übernommen und bestimmen was gehört wird. Um es mit den Worten der Fran Fine (the Nanny) zu sagen, mir kommen die Hakunas schon bei den Matatas raus! Ich Idiot hatte nämlich die grandiose Idee zu Ostern eine Disney Filmmusik CD ins Nestchen zu packen – seither werden wir von König der Löwen in Endlosschleife verwöhnt.

Aber was beklage ich mich, immerhin haben wir endlich die Benjamin Blümchen Phase überstanden; die Titelmelodie dauert wenige Sekunden, was bei einer 30minütigen Fahrzeit etwa 60x „Töröööööö“ ergibt. Selbst der friedfertigste Mensch würde bei dieser akustischen Folter die Contenance verlieren.

Übrigens beginnt der Streit noch vor dem „Boarding“, es gilt zu klären wer welchen Kindersitz bekommt – echte Auswahl gibt es nicht, die Autositze sind nämlich identisch, allerdings hatten Mr. K und ich die Bezüge in zwei verschiedenen „Farben“ (dunkelgrau und schwarz) erworben – schwerer Anfängerfehler! Denn wo auch immer man das Kind parkt, es wird genervt sein weil die Schwester den vermeintlich besseren Platz ergattert hat.

Aber im Fun Mobil gibt es nicht nur gute Mucke, sondern auch anregende Gespräche frei Haus.
„Lulu! Du bist ein Kacka Baby! Pupsmaschine! Didi hat‘n Windelpopsch!“
Was stark nach Tourette Syndrom klingt, sind lediglich die (halblustig gemeinten) Streitgespräche zwischen einer Zweijährigen und ihrer vierjährigen Schwester.

Jetzt haben wir etwa die Hälfte der Strecke hinter uns gebracht und nun kippt die Stimmung endgültig:
Kind 1 brüllt weil Kind 2 ihr Stofftier gestohlen hat.
Kind 2 reagiert mit noch beherzterem Brüllen, denn sie ist älter und hat das größere Lungenvolumen.
Eine Reihe weiter vorne sitze ich, brülle am lautesten um die beiden zu übertönen, während sie mit gestrafften Sicherheitsgurten aufeinander losgehen.
Das klingt ungefähr so:
„MAMAAAAAA! Didi hat mein Stofftier gestohlen!“
„Bähhhhhh!“
„Hört auf zu streiten und vor allem hört auf zu schreien!“
„BÄHHHHHH…“
„MUSS ICH STEHENBLEIBEN?“
„BÄHHHHHHHBÄHBÄHHHHHH…“

Neutrale Beobachter der Situation erspähen derweil ein Auto, das eine Vollbremsung hinlegt und willkürlich in der erstbesten Bushaltestelle/ Verkehrsbucht/ Querstraße anhält. Zu sehen gibt es außerdem eine Fahrerin die wild gestikulierend und mit hochrotem Schädel versucht die Kinder auf der Rückbank zu beruhigen und Haare von festgekrallten Fingern zu trennen, Stofftiere zuzuweisen und Sicherheitsgurte wieder straffzuziehen.

Dieses Mal trifft es eine junge Frau, die in den Genuss unserer Scharmützel kommt, da ich ihre Ausfahrt blockiere und es minutenlang nicht bemerke, weshalb sie unfreiwillige Zeugin unseres Idioten Kabaretts wird!
Ihrer Mimik nach zu urteilen ist sie ziemlich schockiert über die Insights in unser Familienleben und ich denke bald bekommen wir einen Werbedeal mit einem Anti- Baby Pillen Hersteller, denn eine Autofahrt mit uns erhöht augenblicklich die Nachfrage!

Endlich ist das Ziel unserer Reise in Sichtweite, es ist Zeit zu parken und diesen Wahnsinn hinter uns zu lassen. Ich stelle also den Motor ab, aber alle Beteiligten wissen, dass wir jetzt noch nicht aussteigen können; wir müssen warten bis der Affe mit singen fertig ist.
Ihr wisst schon, König der Löwen, der Affe klettert auf den Felsen und streckt voller Dramatik den Babylöwen Simba in die Luft.
Selbiges wiederholt Lili auf der Rückbank, wuchtet ihr rosa Einhorn hoch, während Didi staunend dieses Schauspiel beobachtet. Erst mit dem letzten dramatischen Paukenschlag darf ich den Schlüssel aus der Zündung ziehen und wir sind bereit auszusteigen.

Ein Käfig voller Narren!

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!

Alles Liebe

Eure Ela

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