Alles neu alles gut?

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Alles neu alles gut?

Beschreibung einer Einkaufsszene: Wir sehen einen schwarzen Opel der am Parkplatz einer Hofer Filiale steht, eine junge, um ihre Fassung ringende Frau und ein kleines Kind; letzteres sitzt im Kofferraum und hilft beim Einräumen diverser Lebensmittel in eine viel zu kleine Box. Wobei das Kind eigentlich nicht hilft, sondern vielmehr das Kommando übernommen hat und löblicherweise korrigiert was die Erwachsene falsch gemacht hat, etwa Eier und Kekse nach oben zu schichten.
Um die Spannung gleich vorweg zu nehmen, die Frau bin ich, das Kind ist meines und der Opel ist unsere treue, in die Jahre gekommene Familienkutsche. Die Zeit tickt, denn es gilt die Große pünktlich vom Kindergarten abzuholen, was der Kleinen allerdings recht schnuppe ist.

Als wir endlich alle eine Einkäufe zur Zufriedenheit von Didi* dem Dreikäsehoch verstaut haben und losfahren könnten, bekommt diese plötzlich große Augen und murmelt: “Mama, wo Bär?“
Sie meint damit ihr braunes Stofftier, das sie seit neuesten überall mit hin nimmt.
„Wo ist denn der Bär?“, frage ich sie nichts Gutes ahnend.
„Nicht da“, lautet ihre hilfreiche Antwort, während sie ihre leeren Handflächen absucht.

Also begeben wir uns auf Bärenjagd, gehen die Gänge des Supermarkts nochmals ab, blicken unter Regale und spähen in Schachteln, doch das Stofftier bleibt verschollen.
„Hat wohl jemand mitgenommen“, meint die Verkäuferin neben uns lakonisch, während Didi Tränen in die Augen steigen. Ihr Lieblingsstofftier in den Händen eines fremden Kindes mag sie sich nicht so recht vorstellen.

Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich ziemlich genervt bin, denn dieser Bär war ein Geschenk meiner Oma, den sie den Kindern von einem Ausflug in einen Nationalpark mitgebracht hatte.
Aber es hilft ja nicht, wir können nicht stundenlang hierbleiben und suchen – um dem Ganzen doch etwas Lehrreiches zu verpassen, sage zu meiner Zweijährigen: „Vielleicht ist der Bär jetzt bei einem Kind das ihn nötiger braucht als du!“
Da antwortet Didi: „Mama is egaaaaaal, wir kaufen einfach neuen!“

Klar, sie ist erst zwei, aber die Aussage hätte so auch von meiner Vierjährigen kommen können!

Seither geistert mir Didis flapsige Aussage im Kopf herum und ich realisiere immer mehr, dass wir den Kindern ein falsches Konsumverhalten vorleben, für meine Kiddos ist es völlig selbstverständlich Kaputtes/Verlorenes sofort zu tauschen, so das nie ein Mangel entsteht. Für meine Kinder bedeutet Verlust, dass Mama oder Papa losziehen und den Gegenstand ersetzen, idealer Weise sogar durch die verbesserte Version 2.0, wodurch verlieren/kaputtmachen sogar noch belohnt wird.
Oft kaufe ich Dinge gleich doppelt, damit sie nicht darum streiten müssen, aber so werden sie wohl auch nie teilen lernen.

Mir wird plötzlich unglaublich deutlich, dass mein Mann und ich unser Konsumverhalten ändern müssen, wenn wir wollen dass unsere Kinder all ihre Spielsachen/ Besitztümer für selbstverständlich erachten.
Dabei- und das setzt der Ironie die Krone auf – sind wir sehr auf Nachhaltigkeit bedacht, wir schätzen Vintage und wühlen uns gerne durch Flohmärkte, kaufen lokal und bio, machen unsere Cremes/Shampoos usw. selber und versuchen uns in den Sommermonaten als Selbstversorger – aber offensichtlich haben wir es bisher versäumt diese Werte unseren Kindern weiterzugeben.

Übrigens: der Bär ist wieder aufgetaucht und Didi überglücklich. Der Kleine wurde zwischen den Plastiksackerl (wie passend) bei der Kassa gefunden und uns zurückgegeben. Seither hütet Didi ihn wie ihren Augenstern, denn sie hat gelernt dass man auf seine Sachen aufpassen muss. Ich habe übrigens auch etwas gelernt, nämlich dass ich meinen Kindern keinen Gefallen tue, wenn ich sie verwöhne und mit Konsum überhäufe!

 

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